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Sequence-of-Returns-Risiko: Warum die Reihenfolge der Börsenjahre im Ruhestand relevant ist

4. Okt.
2 Min. Lesezeit

Wer für seinen Ruhestand Kapital anlegt, fragt meistens zuerst: Mit welcher Rendite kann ich langfristig rechnen? Die Frage nach Rendite ist verständlich. Für Ihren Ruhestand zählt aber nicht nur, wie hoch die durchschnittliche Rendite über 20 oder 30 Jahre ausfällt. Wichtig ist auch, in welcher Reihenfolge die guten und die schlechten Jahre eintreten.


Dieses Phänomen heißt Sequence-of-Returns-Risiko, also Reihenfolgerisiko.


Heute erkläre ich Ihnen, warum das so ist und wie Sie Ihren Ruhestandsplan so aufbauen, dass Ihnen ein schlechtes erstes Jahr nichts anhaben kann.



Warum die Reihenfolge so wichtig ist


Stellen Sie sich Turbulenzen im Flugzeug vor. Dieselbe Turbulenz ist kurz nach dem Start riskanter als exakt dieselbe im Reiseflug, wenn Sie längst auf Höhe und Kurs sind.


Beim Depot im Ruhestand ist es genauso. Der Grund ist einfach: In einem schlechten Börsenjahr im Ruhestand entnehmen Sie zusätzlich zu den Verlusten laufend Geld.


In der Ansparphase kaufen Sie bei fallenden Kursen sogar günstiger nach. In der Entnahmephase passiert das Gegenteil. Bei einem Crash zu Beginn verkaufen Sie Anteile zu niedrigen Kursen, und genau diese Anteile fehlen später, um sich zu erholen. Das lässt sich kaum noch aufholen.



Ein Beispiel: Zwei Anleger, dieselbe Rendite


Zwei Anleger starten im Ruhestand mit je 500.000 Euro und entnehmen jährlich 25.000 Euro. Über 20 Jahre erzielen beide dieselbe Durchschnittsrendite von rund 6,45% pro Jahr. Der einzige Unterschied: Beim ersten Anleger fallen die drei schwachen Jahre an den Anfang, beim zweiten ans Ende.


Anleger 1

Anleger 2

Startkapital

500.000 €

500.000 €

Jährliche Entnahme

25.000 €

25.000 €

Durchschnittsrendite

ca. 6,50%

ca. 6,50%

Schwache Jahre

zu Beginn

am Ende

Depotwert nach 20 Jahren

ca. 455.000 €

ca. 575.000 €

Das sind 120.000 Euro Unterschied, obwohl beide über die gesamte Zeit exakt dieselbe Rendite erzielt haben.



Was Sie dagegen tun können


Das Reihenfolgerisiko lässt sich nicht verhindern. Sie können Ihren Plan aber so aufbauen, dass es Ihnen nicht gefährlich wird.


Erstens: Bauen Sie ein Reservepolster für die ersten Ruhestandsjahre auf. 

Das ist der wirksamste Schutz. Den Zwei-Topf-Ansatz, mit Wachstum auf der einen und Reserve auf der anderen Seite, habe ich bereits ausführlich erklärt (hier nachlesen). Wenn Sie in einem schlechten Jahr aus der Reserve leben können, statt Aktien zu verkaufen, reduzieren Sie das Risiko enorm.


Zweitens: Bleiben Sie in schlechten Jahren flexibel bei der Entnahmehöhe. 

Etwas weniger zu entnehmen, wenn die Kurse gerade unten stehen, schont Ihr Depot spürbar mehr, als stur am ursprünglichen Betrag festzuhalten.


Drittens: Bauen Sie die Reserve schon vor dem Ruhestand auf. 

Reicht Ihr Reservetopf nicht, um 3 bis 5 Jahre Ihrer Rentenlücke zu decken, reduzieren Sie in den letzten Jahren vor dem eigentlichen Ruhestand schrittweise Ihre Aktienquote und erhöhen den Reservetopf. So trifft Sie ein Crash kurz vor Renteneintritt nicht wirklich.



Ein robuster Ruhestandsplan schützt Sie nicht vor Marktschwankungen. Er sorgt aber dafür, dass die Reihenfolge dieser Schwankungen Ihnen nichts anhaben kann. Und das ist am Ende das, was zählt.

 
 
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