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Der Kurssturz von gestern. Ihr Depot heute.

vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

Die Börsen wurden gestern kräftig durchgeschüttelt und viele von Ihnen schauen heute vermutlich mit gemischten Gefühlen auf ihr Depot.


Die Zwischenwahlen in den USA haben die Märkte in dieser Woche in Aufruhr versetzt. Die Demokraten haben die Mehrheit im Kongress gewonnen und am Tag nach der Wahl legten die Kurse zunächst zu. 


Am Donnerstag setzte sich dann die Erkenntnis durch, was dieses Ergebnis für den Ausbau der künstlichen Intelligenz bedeuten könnte: Anleger befürchten, dass ein demokratisch kontrollierter Kongress KI-Regulierung verschärft und Rechenzentrumsprojekte bremst. Daraufhin folgte der Ausverkauf.


Konkrete Zahlen: 


Der Nasdaq verlor am Donnerstag 5,52% und schloss damit mehr als 10% unter seinem Rekordhoch vom 6. Oktober, was in der Börsensprache als Korrektur gilt. Der Dow Jones gab 1.833 Punkte nach und sowohl er als auch der S&P 500 hatten ihren schwächsten Handelstag seit April 2025. 


Insgesamt gingen laut CNN rund 2,5 Billionen Dollar an Börsenwert verloren. Nvidia verlor 9,3% und hat damit sämtliche Kursgewinne dieses Jahres abgegeben. Der Halbleiterindex SOX brach um rund 12% ein, ein Tagesverlust, den es seit dem Corona-Crash im März 2020 nicht mehr gegeben hat.


Besonders hart traf es Speicherchip- und Rechenzentrumswerte, also genau die Unternehmen, die den Bullenmarkt der vergangenen Monate getragen haben.



Was hinter der Sorge des Marktes steckt


Anleger rechnen damit, dass der Ausbau der Rechenzentren spürbar an Tempo verliert. Manche Marktbeobachter halten es sogar für möglich, dass ein erheblicher Teil der geplanten Rechenzentren, in Schätzungen bis zu 20%, gar nicht gebaut wird. 


Das hätte direkte Folgen für Umsätze und Gewinne vieler beteiligter Unternehmen, besonders für die Chiphersteller, die dann weniger Nachfrage sehen würden als bisher eingeplant.


Die Investitionen der Hyperscaler (Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta) dürften zudem ihren Höhepunkt wahrscheinlich ein Jahr oder mehr früher erreichen als erwartet. Für die KI-Zulieferer ist das eine schlechte Nachricht. 


Für die Hyperscaler selbst kann es dagegen sogar positiv sein: Sie würden früher als gedacht wieder einen positiven freien Cashflow erwirtschaften und genau vor den hohen Ausgaben und dem drohenden negativen Cashflow hatte sich der Markt zuletzt gefürchtet.


Der eigentliche Kern der Sorge liegt aber in der Gesamtwirtschaft. Ein erheblicher Teil des US-Wirtschaftswachstums geht inzwischen auf den KI-Ausbau zurück (ca. 25%). Wächst die Wirtschaft weniger, wird der Kuchen kleiner, der verteilt werden kann. Die Gewinne der Unternehmen wachsen dann langsamer und mit ihnen sinken die Bewertungen, die Anleger zu zahlen bereit sind.


Wir müssen also durchaus damit rechnen, dass wir in den kommenden Jahren weniger Wachstum und damit auch geringere Aktienrenditen sehen als in den vergangenen Jahren.


Gleichzeitig reagieren Anleger in solchen Situationen erfahrungsgemäß über und wo Panik herrscht, entstehen auch Gelegenheiten. Wie sich die Dinge entwickeln, wird sich wie immer erst im Rückblick zeigen.



Folgen Sie Ihrer Strategie


Zu den wichtigsten Grundsätzen des Investierens gehört, Ihre Regeln entscheiden zu lassen und nicht die Schlagzeilen.


Nach dem 11. September 2001, in der Finanzkrise 2008/09 und während des Corona-Crashs 2020 haben viele verkündet, nichts werde jemals wieder so sein wie zuvor. 

Anleger, die den Lärm ausgeblendet haben und ihrem Kurs treu geblieben sind, standen am Ende gut da. Nicht allen ist das gelungen.


Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman beschrieb den menschlichen Verstand gern als Maschine, die vorschnell Schlüsse zieht. 


Große Nachrichten sind präsent und unmittelbar. Deshalb übertragen wir sie fast automatisch in die ferne Zukunft. Ein extremes Ereignis lässt weitere drastische Entwicklungen wahrscheinlicher erscheinen, ganz gleich, was die historischen Wahrscheinlichkeiten sagen. 


Kurzfristig reagieren Anleger deshalb regelmäßig über: zu optimistisch bei vermeintlichen Gewinnern, zu pessimistisch bei vermeintlichen Verlierern.



Was Sie jetzt konkret tun können


Statt kurzfristig taktisch zu handeln, sollten Sie besonders jetzt Entscheidungen nach festen Regeln und Abläufen treffen. Fragen Sie sich:


Erstens: Haben Sie schriftlich festgehalten, welche Ziele Ihr Portfolio hat und wie Ihre Anlagen aufgestellt sind, um diese zu erreichen?

Zweitens: Haben Sie Zielquoten und Bandbreiten für das Rebalancing festgelegt, die Sie davor schützen, teuer zu kaufen und billig zu verkaufen?

Drittens: Nutzen Sie Checklisten, um zu entscheiden, was Sie wann kaufen oder verkaufen?

Viertens: Haben Sie spekulative Geschäfte auf ein getrenntes Depot mit einem festen Betrag begrenzt?


Die jüngsten Marktturbulenzen bieten einen guten Anlass, um zu prüfen, ob Ihr Portfolio für das gewappnet ist, was als Nächstes kommen könnte. 


Und sie sind ein noch besserer Grund, um zu überprüfen, ob Sie selbst darauf vorbereitet sind.

 
 
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