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Drei Ebenen zum erfolgreichen Vermögensaufbau

12. Okt.
5 Min. Lesezeit

Jeder Anleger kann langfristig zu den Gewinnern gehören. Der Weg dahin ist nicht kompliziert, aber er verlangt Disziplin bei zwei entscheidenden Grundsätzen.


Die größten Fehler beim Vermögensaufbau entstehen deshalb, weil Anleger diese Grundsätze entweder gar nicht kennen oder weil sie ihnen zwar bekannt sind, im Alltag aber schwer durchzuhalten sind.


Heute erkläre ich, worauf es ankommt und in welcher Reihenfolge Sie Ihre Entscheidungen treffen sollten.



Grundsatz 1: Geben Sie den Ehrgeiz auf, den Markt schlagen zu wollen


Der erste Grundsatz ist unbequem, aber entscheidend: 


Es ist für kaum jemanden möglich, den Markt dauerhaft zu schlagen. 


Mit „Markt“ sind die großen Indizes gemeint, also der S&P 500, der Stoxx Europe 600 oder der Nasdaq 100. Kaum ein aktiver Fondsmanager schafft es, seinen Vergleichsindex über mehrere Jahre hinweg konstant zu übertreffen.


Dabei reicht es nicht, ein bisschen besser zu sein. Aus Anlegersicht muss ein aktiv gemanagter Fonds den Markt um mindestens 2 bis 3 Prozentpunkte schlagen, damit sich die höheren Kosten des aktiven Managements überhaupt lohnen.


Das klingt nach wenig, ist es aber nicht. Erwirtschaftet ein Aktienindex-ETF im Schnitt 7% Rendite pro Jahr, dann muss ein Manager rund 30% bis 40% besser sein als der Index selbst (3 Prozentpunkte sind ca. 40% von 7%). 


Das kann für ein oder zwei Jahre gelingen. Über einen langen Zeitraum gelingt es so gut wie niemandem.


Denken Sie zudem daran: Aktive Manager sind exzellent ausgebildet, haben Zugang zu Finanztechnologie, zu Informationen in Echtzeit und zu einem Netzwerk aus Spezialisten wie es kein Privatanleger je aufbauen wird. 


Trotzdem gelingt es ihnen nicht, den Markt zu schlagen. Gehen Sie also nicht davon aus, dass Ihnen als Privatanleger gelingt, woran diese Profis scheitern. 


Das ist schlicht nicht der Bereich, in dem Sie etwas gewinnen können. Ihr Fokus sollte woanders liegen. Das bringt uns zum nächsten Grundsatz.



Grundsatz 2: Die drei Ebenen jeder Anlageentscheidung


Wenn die Auswahl der vermeintlich richtigen Einzelaktie oder des besten aktiven Fonds nicht der Hebel ist, worauf sollten Sie dann Ihre Zeit verwenden? 


Jede Anlageentscheidung lässt sich auf drei Ebenen treffen und diese Ebenen sind nicht gleich wichtig.


Ebene 1: Ihr langfristiger Vermögensmix


Die wichtigste Entscheidung, die Sie als Anleger überhaupt treffen, ist die grundsätzliche Aufteilung Ihres Vermögens auf Aktien, Anleihen, Immobilien, Liquidität und gegebenenfalls Krypto. 


Diese Aufteilung sollte zu Ihrer persönlichen Risikotoleranz passen, dazu, wann Sie das Geld brauchen und zu dem Ziel, das Sie verfolgen.


Legen Sie diese Aufteilung einmal fest und halten Sie konsequent daran fest, denn genau hier entscheidet sich Ihr langfristiger Erfolg, nicht bei der Auswahl einzelner Titel.


Ebene 2: Die Aufschlüsselung innerhalb jeder Anlageklasse


Haben Sie Ihren Vermögensmix festgelegt, folgt die zweite Ebene: Welche Art von Aktien oder Anleihen soll es konkret sein? Wachstumswerte oder Dividendentitel, große oder kleine Unternehmen, Heimatmarkt oder internationale Streuung, einzelne Branchen oder der breite Gesamtmarkt. Diversifikation innerhalb jeder Anlageklasse ist dabei essenziell. Negative Ereignisse treten in der Regel völlig überraschend ein. Deshalb müssen Sie breit streuen, statt auf einzelne Werte zu setzen. Index ETFs, die hunderte oder gar tausende von Einzelwerten enthalten, sind hier die richtige Wahl. 


Da es aber wiederum mehrere tausend ETFs zur Auswahl gibt, lohnt sich hier eine gründliche Recherche oder professionelle Unterstützung. Das bringt uns zur Ebene 3.


Ebene 3: Die Auswahl der konkreten Werte


Erst an dritter und letzter Stelle steht die Frage, welchen konkreten ETF oder welche konkrete Position Sie kaufen. Das ist die Ebene, der die meisten Anleger die meiste Aufmerksamkeit schenken, obwohl sie den geringsten Mehrwert bringt. Achten Sie bei der ETF-Auswahl auf folgende Richtwerte:


  • ein Fondsvolumen von mindestens 500 Millionen US-Dollar,

  • mindestens 80 Positionen bei spezifischeren ETFs und deutlich mehr bei breiten Marktindizes,

  • die Frage, ob ausschüttend oder thesaurierend,

  • das  Fondsdomizil ist idealerweise in Irland,

  • laufende Kosten von maximal 0,35% TER bei spezifischeren ETFs beziehungsweise maximal 0,20% bei breiten Marktindizes,

  • sowie einen Anteil der zehn größten Positionen von rund 30% bei breiten Markt-ETFs und unter 50% bei spezifischeren ETFs.


Als Privatanleger sollten Sie konsequent auf passives Management setzen, also auf Indexfonds und ETFs, denn wie im ersten Grundsatz erklärt, gelingt es langfristig praktisch niemandem, den Markt aktiv zu schlagen.


Wenn Sie unbedingt in Einzelwerte investieren möchten, begrenzen Sie das konsequent auf maximal 5% Ihres Gesamtvermögens, und zwar dauerhaft. 


Stocken Sie dieses Limit niemals auf, insbesondere dann nicht, wenn gerade alles gut läuft und Sie sich unbesiegbar fühlen. Genau in solchen Phasen ist das Risiko erheblicher Verluste am größten.



Was tun, wenn Sie bereits ein gewachsenes Depot haben?


Die meisten von Ihnen starten nicht bei null. Sie haben bereits ein Depot, das über Jahre gewachsen ist: mal durch eine Empfehlung, mal durch einen spontanen Kauf, mal durch eine Erbschaft oder eine Bankberatung. 


Selten ist ein solches Depot von Anfang an nach den oben genannten Grundsätzen aufgebaut worden.


Die gute Nachricht: Auch für Sie lässt sich daraus eine praktische Anleitung ableiten.


  1. Prüfen Sie, ob Ihre aktuelle Depotaufteilung zu Ihrem Anlegerprofil passt, also zu Ihrer Risikotoleranz, dazu, wann Sie das Geld voraussichtlich benötigen und zu Ihren Zielen. Falls nicht, muss umgeschichtet werden. 


    Wer beispielsweise zu 80% in Aktien-ETFs und Einzelwerten investiert ist, obwohl sein Profil eher für eine ausgewogenere Aufteilung spricht, sollte einen Teil davon in Richtung Geldmarkt oder kurzlaufende Anleihen umschichten.


  2. Tauschen Sie aktiv gemanagte Fonds oder Einzelwerte nach und nach gegen passive Indexfonds aus. Wie eingangs gezeigt, gelingt es langfristig praktisch niemandem, den Markt konstant zu schlagen, weder professionellen Managern noch Privatanlegern. Zudem stellen Sie sich dann deutlich kosteneffizienter auf.


  3. Legen Sie sich eine klare Strategie fest und bleiben Sie dabei. Dazu gehören eine Zielquote für Ihren Aktienanteil sowie eine Bandbreite darum herum. Wird die obere Grenze dieser Bandbreite überschritten, verkaufen Sie Aktien und legen den Erlös im Geldmarkt an, um wieder zu Ihrer Zielquote zurückzukehren. 


    Wer beispielsweise mit einer Aktienquote von 70% gut leben kann, sollte ab etwa 75% einen Teil verkaufen, um wieder auf sein Zielniveau zu kommen.


  4. Legen Sie neues Geld gemäß Ihrer festgelegten Struktur und Strategie an.


Sie müssen Ihr bestehendes Depot dafür nicht in einem einzigen Schritt umbauen. Gehen Sie die vier Punkte der Reihe nach durch und setzen Sie die notwendigen Umschichtungen schrittweise um. 


Falls Sie sich das selbst nicht zutrauen, holen Sie sich Hilfe von einem unabhängigen Experten. 

Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern dass Sie am Ende eine Struktur haben, die zu Ihnen passt und der Sie auch in schwierigen Marktphasen treu bleiben können.



Das sollten Sie mitnehmen


Erfolgreiches Investieren beginnt nicht mit der Suche nach der nächsten guten Aktie, sondern mit der richtigen Vermögensaufteilung, die zu Ihrer Lebenssituation passt. 


Geben Sie den Ehrgeiz auf, den Markt zu schlagen, setzen Sie konsequent auf breit diversifizierte Indexfonds, und halten Sie an Ihrer einmal festgelegten Strategie fest, auch wenn es zwischendurch stürmische Zeiten gibt. 


Wenn Sie bereits ein Depot besitzen, das nicht nach diesen Grundsätzen aufgebaut wurde, ist es nie zu spät, es Schritt für Schritt in diese Richtung zu entwickeln.


Falls Sie Fragen dazu haben, schreiben Sie mir gerne.

 
 
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