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SpaceX, OpenAI, Anthropic. Sollten Sie dabei sein?

  • 2. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

In den kommenden Monaten wird sich an der Nasdaq ereignen, was es in der Geschichte des Kapitalmarkts so noch nicht gegeben hat. Innerhalb von rund einem halben Jahr gehen drei der wertvollsten privaten Unternehmen der Welt an die Börse. 

 

Die kombinierte Bewertung übersteigt drei Billionen US Dollar. Das ist mehr, als alle Tech IPOs (d.h. Börsengänge) des Jahrzehnts zusammen erlöst haben.

 

Viele Leser haben mich in den letzten Wochen gefragt, ob sie bei SpaceX, OpenAI und Anthropic dabei sein sollten. 

 

Die Frage ist berechtigt. Die ehrliche Antwort lautet: niemand kann vorhersagen, ob sich ein Einstieg für Privatanleger nach dem IPO lohnt oder nicht. 

Die Geschichte vergangener tech IPOs kann uns aber Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit von Erfolg und Misserfolg dieser 3 Mega IPOs geben.

Darum geht es heute.



Drei Unternehmen, drei Billionen Dollar


SpaceX (Ticker SPCX)

 

Das Unternehmen von Elon Musk betreibt drei eng verzahnte Geschäftsbereiche: 

 

1. Kommerzielle Raketenstarts mit Falcon 9 und Starship. 

2. Das globale Satelliten Internet Starlink mit mittlerweile Millionen Abonnenten. 

3. Und seit der Fusion mit xAI im Februar 2026 auch KI Modellentwicklung

 

Konsolidierter Umsatz 2025: rund 18,7 Milliarden Dollar.

 

IPO: 12. Juni 2026

Zielbewertung: 1,75 bis 2 Billionen Dollar

Volumen: bis zu 75 Milliarden Dollar

 

 

OpenAI

 

Der Pionier der generativen Künstlichen Intelligenz. Bekannt durch ChatGPT mit über 900 Millionen wöchentlichen Nutzern und die GPT Modellfamilie. Das Geschäftsmodell besteht aus API Zugang für Unternehmen, ChatGPT Abonnements und Enterprise Verträgen. 

 

Annualisierter Umsatz Anfang 2026 rund 25 Milliarden Dollar. 

Profitabilität wird erst 2029 bis 2030 erwartet. Bis dahin werden zweistellige Milliardenverluste eingeplant.

 

Geplantes Listing: September oder Q4 2026

Zielbewertung: 852 Milliarden bis 1 Billion Dollar

 

 

Anthropic

 

Hauptkonkurrent von OpenAI. Entwickelt die Claude Modellfamilie. Anders als OpenAI stark im Enterprise Geschäft positioniert. Rund 80 Prozent des Umsatzes kommen von Unternehmenskunden. 

 

Umsatz Mai 2026 zwischen 30 und 44 Milliarden Dollar. Das Wachstum beträgt etwa 1.400 Prozent binnen 15 Monaten. 

 

Geplantes Listing: Oktober oder Herbst 2026

Zielbewertung: rund 900 bis 965 Milliarden Dollar

 

 

Zur Einordnung der Dimensionen

 

Saudi Aramco hielt mit rund 25,6 Milliarden Dollar Emissionserlös bisher den Rekord des größten Börsengangs aller Zeiten. SpaceX allein peilt nun bis zu 75 Milliarden Dollar an, also fast das Dreifache

Zusammen mit OpenAI und Anthropic könnten die drei IPOs über 200 Milliarden Dollar aus den öffentlichen Märkten abrufen. 

 

Zum Vergleich: Der gesamte US IPO Markt hat im Jahr 2025 lediglich 45 Milliarden Dollar eingesammelt.

 

Für Privatanleger stellt sich die entscheidende Frage: 

Lohnt sich der Einstieg, und wenn ja zu welchem Zeitpunkt? 

 

Eine seriöse Antwort kann nur die Geschichte versuchen zu geben. Im Folgenden zeige ich Ihnen sieben prominente Tech Börsengänge der vergangenen 22 Jahre*

 

Von Google 2004 bis zum jüngsten Mega IPO Cerebras vor wenigen Wochen. Alle Unternehmen sind an der Nasdaq gelistet, alle aus dem Technologiesektor, und alle mit jenen Eigenschaften, die auch SpaceX, OpenAI und Anthropic prägen werden: Massive Aufmerksamkeit, hohes institutionelles Interesse, enorme Bewertungsfantasie.

 

* Bei der Erstellung der Graphiken hat mir Claude (ja richtig, der von Anthropic) geholfen.



Wie Sie die folgenden Grafiken lesen


Jede der sieben Grafiken zeigt drei Kennzahlen, die für Sie als Privatanleger entscheidend sind:

 

1. Den IPO Preis, zu dem nur institutionelle Investoren mit Zuteilung kaufen konnten. 

 

2. Den Erstnotierungs Kurs, also den ersten realen Handelspreis nach Börseneröffnung. Das ist Ihr frühestmöglicher Einstieg. 

 

3. Und den Schlusskurs am 1. Juni 2026 mit der Veränderung gegenüber dem Erstnotierungs Kurs.

 

Die Kurslinie ist immer auf den IPO Preis gleich 100 normiert. Jeder Wert über 100 bedeutet, dass die Aktie über dem IPO Preis liegt. Jeder Wert unter 100, dass sie darunter notiert. Ich habe die ersten 3 Jahre nach dem IPO in den Graphiken abgebildet.

 

Ein konkretes Beispiel macht das anschaulich: 

 

Meta (damals Facebook) wurde am 18. Mai 2012 zum IPO Preis von 38,00 Dollar ausgegeben. Sie können das als Referenzpunkt 100 ablesen (=100%). 

Die Erstnotierung erfolgte bei 42,05 Dollar, also Indexwert 111 (=111% also +11%). 

Im September 2012 fiel der Kurs zwischenzeitlich auf rund 17,55 Dollar, das entspricht Indexwert 46 (=46% also -54%). 

 

Heute steht Meta bei ca. 600 Dollar, also Indexwert von rund 1.500. Die Linie startet damit bei 100, springt am ersten Tag auf 111, fällt dann innerhalb weniger Monate auf etwa 46 ab und steigt anschließend über Jahre auf weit über 1.000.

 

Warum die Erstnotierung der entscheidende Vergleichspunkt ist

 

Den IPO Preis bekommen ausschließlich institutionelle Investoren mit Zuteilung. Als Privatanleger können Sie eine Aktie erst dann handeln, wenn sie an der Börse eröffnet. Genau diese Erstnotierung ist Ihr realer Einstiegspreis. 

Deshalb zeigen alle folgenden Grafiken unter Schlusskurs 1. Juni 2026 die Rendite gegenüber der Erstnotierung, nicht gegenüber dem IPO Preis. Nur so lässt sich beantworten, ob sich der Einstieg für Sie tatsächlich gelohnt hätte.



Sieben Tech IPOs im historischen Vergleich


1. Alphabet (Google), Börsengang 2004

Der Lehrbuch Langläufer. Google führte gezielt eine niederländische Auktion durch, um genau jene Lücke zwischen IPO Preis und Erstnotierung klein zu halten. Die Privatanleger sollten nicht ausgeschlossen werden. Erstnotierung lag nur 18 Prozent über dem IPO Preis. Wer als Privatanleger einstieg und durchhielt, hat sich split bereinigt um den Faktor 150 vermehrt. Aus 10.000 Dollar wurden rund 1,5 Millionen.




2. Meta (Facebook), Börsengang 2012

Der berüchtigte Fehlstart. Erstnotierung +11 Prozent, dann sofortiger Abverkauf. Binnen vier Monaten Absturz auf 17 Dollar. Wer als Privatanleger zur Erstnotierung kaufte, war 14 Monate lang im Minus und über 50 Prozent unter Wasser. Erst Mitte 2013 zurück über den Einstiegskurs. Danach Top Performer. 

Heute wären aus 10.000 Dollar zur Erstnotierung rund 146.000 Dollar geworden. Aber nur, wenn Sie die ersten 14 Monate ausgesessen hätten.




3. Airbnb, Börsengang 2020

Das Paradebeispiel für die Lücke zwischen IPO und Erstnotierung. Die Aktie hatte sich bereits mehr als verdoppelt, bevor der erste Privatanleger sie überhaupt kaufen konnte. Erstnotierung mit +115 Prozent über dem IPO Preis. Selbst nach fünfeinhalb Jahren liegt der Kurs noch deutlich unter der Erstnotierung. 

Aus 10.000 Dollar wurden 8.240 Dollar.




4. Rivian, Börsengang 2021

Die Hype Warnung. Erstnotierung +37 Prozent, danach am selben Tag auf 119 Dollar und wenige Tage später Peak bei 172 Dollar. Anschließend jahrelanger Absturz. Prominente Investoren wie Amazon und Volkswagen, starke EV Story, Mega Bewertung. Und trotzdem rund 85 Prozent Verlust für jeden, der am ersten Tag mitlief. 

Aus 10.000 Dollar zur Erstnotierung sind nur noch 1.520 Dollar geworden.




5. Arm Holdings, Börsengang 2023

Der KI Gewinner und das beste verfügbare Vorbild für die anstehenden KI IPOs. Moderater Erstnotierungs Aufschlag von nur 10 Prozent, dann gestaffelter Anstieg auf das Sechsfache. 

Aus 10.000 Dollar zur Erstnotierung wurden in knapp 3 Jahren rund 63.000 Dollar

Aber Vorsicht: In den letzten zwölf Monaten allein schwankte der Kurs zwischen 100 und 356 Dollar. Das verlangt starke Nerven.




6. CoreWeave, Börsengang 2025

Geräuschloser Start, explosive Folge. Die seltene Konstellation, in der die Erstnotierung sogar leicht unter dem IPO Preis lag. Privatanleger konnten günstiger einsteigen als die Institutionellen. Erst nach einigen Tagen ging es los. In vier Monaten Verfünffachung, dann massiver Rücksetzer. 

Aus 10.000 Dollar wurden in 14 Monaten rund 30.800 Dollar. Direkt vergleichbar mit den anstehenden KI Mega IPOs.




7. Cerebras Systems, Börsengang im Mai 2026

Der frischeste Vergleich. Erst zweieinhalb Wochen alt. Am Eröffnungstag Tageshoch bei 386 Dollar. Klassisches Muster eines überhitzten KI Hype IPOs. Massiver Erstnotierungs Sprung von +89 Prozent, institutionelle Gewinnmitnahmen direkt am ersten Tag, seither stetig fallend. 

Aus 10.000 Dollar zur Erstnotierung sind in nur zweieinhalb Wochen rund 6.660 Dollar geworden.




Was bedeutet das für SpaceX, OpenAI und Anthropic?


Die Auswertung der sieben Vergleichs IPOs liefert ein uneinheitliches Bild (anders wäre es zu einfach, denn wir wüssten genau, was zu tun ist):

 

Wer zum Erstnotierungskurs eingestiegen ist, also als realer Privatanleger und nicht als bevorzugter Institutioneller, hätte in vier von sieben Fällen heute einen positiven Buchwert seiner Anlage. 

 

In zwei Fällen gäbe es klare Verluste, im jüngsten Fall (Cerebras) hätte man bereits nach zweieinhalb Wochen ein Drittel seines Kapitals verloren.

 

Doch der entscheidende Befund liegt nicht in der Trefferquote. Er liegt im Muster. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Höhe des Erstnotierungs-Sprungs und der späteren Rendite für Privatanleger.

 

Wo die Erstnotierung nahe am IPO Preis lag (Google +18 Prozent, Arm +10 Prozent, CoreWeave sogar leicht unter IPO Preis), blieb dem Privatanleger genug Aufwärtspotenzial. 

 

Wo die Erstnotierung dagegen mit zwei oder dreistelligen Aufschlägen eröffnete, etwa Airbnb +115 Prozent, Cerebras +89 Prozent, Rivian +37 Prozent, war das Beste bereits an die Institutionellen geflossen. 

Die anschließende Korrektur traf voll den Privatanleger.

 

Und genau hier liegt das Risiko für SpaceX, OpenAI und Anthropic. Alle drei kommen mit einer Aufmerksamkeit an den Markt, wie sie kein bisheriger Tech IPO erlebt hat. 

 

SpaceX strebt eine Bewertung an, die mehr als das Sechzigfache der Aramco Emission von 2019 entspricht. 

Das institutionelle Interesse ist enorm. Pensionsfonds, Staatsfonds und Family Offices stehen seit Jahren Schlange, um endlich einen direkten Zugang zu erhalten. 

 

Genau dieses Übernachfrage Setup ist das klassische Rezept für einen großen Erstnotierungs-Sprung.

 

Die historische Auswertung legt nahe: Ein Einstieg unmittelbar zur Erstnotierung von SpaceX, OpenAI und Anthropic ist statistisch nicht der vielversprechende Moment, sondern der ungünstigste. 

 

Je größer der erwartete Hype, desto größer der Pop, und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten Wochen oder Monate Verluste bringen.

 

 

Was Sie konkret tun können

 

Erstens. Beobachten Sie die Höhe des Erstnotierungs-Sprungs als Frühindikator. Öffnet die Aktie weniger als 20 Prozent über dem IPO Preis, so wie Google oder Arm, könnte das ein vernünftiger Einstiegszeitpunkt sein. Öffnet sie 50 Prozent oder mehr darüber, ist das Beste mit hoher Wahrscheinlichkeit schon passiert.

 

Zweitens. Das Ende der Lock up Periode, meist 90 bis 180 Tage nach dem IPO, ist historisch häufig der bessere Einstiegszeitpunkt. Wenn Insider verkaufen dürfen, entsteht oft Verkaufsdruck, und der Kurs gibt nach. Wer geduldig ist, kauft dann zu Niveaus, die näher liegen als die Erstnotierung.

 

Drittens. Selbst die größten Gewinner unter den Tech IPOs, also Google, Meta und Arm, durchliefen heftige Rücksetzer von 30 bis 60 Prozent in ihren ersten Jahren. Wer einsteigt, sollte ein mehrjähriger Halter sein wollen. 

 

Ob sich der Einstieg in SpaceX, OpenAI oder Anthropic also lohnt, ist letztlich nicht allein eine Frage des Unternehmens. 

 

Es ist eine Frage des Preises und Sie müssen selbst entscheiden. Lassen Sie sich nicht von der Erstnotierung treiben. Warten Sie auf die unvermeidliche Ernüchterungsphase und entscheiden Sie dann, ob Bewertung und Geschäftsmodell für Sie zueinander passen. 

 
 
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