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KI-Sicherheitsbedenken? Eher eine Ablenkung. Es geht ums Geld.

vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit

Seit über zwei Monaten bewegt sich der Aktienmarkt seitwärts. Keine neuen Rekordstände, aber auch kein echter Rücksetzer. Ein Markt, der auf der Stelle tritt und dabei auf Impulse wartet, die momentan fehlen.

 

Der September macht das nicht einfacher. Es ist historisch der schwächste Börsenmonat und gleichzeitig liegen kaum frische Unternehmenszahlen vor, die nächste Berichtssaison beginnt erst Mitte Oktober.

 

Wenn belastbare Fakten fehlen, wandert die Aufmerksamkeit woanders hin, meistens zu Geopolitik und Zinspolitik.

 

Wie stark das ausschlagen kann, haben wir vor etwas mehr als einer Woche gesehen: Ein rund 3.800 Wörter langer Essay von Anthropic-Chef Dario Amodei, in dem er zu einer Verlangsamung der KI-Entwicklung aufrief, reichte aus, um den Halbleiterindex PHLX an einem einzigen Tag um 5,4% einbrechen zu lassen.

 

Dieses Umfeld, ein seitwärts laufender Markt ohne klare Richtung, ist für Anleger unangenehm. Es entsteht das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen, auch wenn völlig unklar ist, was das sein sollte. 

 

Fragen kommen auf: Wie geht es weiter? Bin ich mit meinem Depot richtig aufgestellt oder sollte ich etwas verändern? Was, wenn der KI-Ausbau nun verlangsamt wird? Was, wenn die Zinsen weiter steigen?

 

Blenden Sie die tägliche Nachrichtenlage aus, und nutzen Sie die kommenden Tage dafür, sich bewusst zu machen, wie KI-Ausbau, Zinsniveau und Unternehmensgewinne tatsächlich zusammenhängen und was das für Ihr eigenes Portfolio bedeutet.

 

Dabei helfe ich Ihnen in diesem Beitrag und nutze das Amodei-Essay (Anthropic) als konkretes Beispiel.



KI-Sicherheitsbedenken? Wohl eher nicht...


Amodeis Essay liest sich zunächst wie ein Sicherheitsappell

 

KI-Unternehmen sollten ihr Entwicklungstempo drosseln, damit Kontrollmechanismen mithalten können. Sam Altman (OpenAI) und Elon Musk (Space X) stimmten innerhalb weniger Stunden zu. 

 

Sicherheit ist ein Anliegen, aber vermutlich nicht der wahre Grund, warum ausgerechnet jetzt geschrieben und bestätigt wurde.

 

Ein politischer Grund liegt nahe: 

 

Vor den US-Zwischenwahlen wächst der Druck auf eine strengere KI-Regulierung. Umfragen zeigen, dass rund zwei Drittel der Amerikaner staatliche KI-Regulierung befürworten, selbst wenn das die Entwicklung gegenüber China verlangsamt. 

 

Wer als Unternehmen, Prüfer und gemeinsame Sicherheitsstandards selbst vorschlägt, kommt einer möglicherweise strengeren gesetzlichen Regulierung zuvor.

 

Wirtschaftliche Gründe sind noch wichtiger: 

 

Die US-Notenbank hat die Zinsen gerade angehoben. Das bedeutet, Kapital wird teurer. Und Kapital ist genau das, was KI-Labore in gigantischen Mengen benötigen, um das aktuelle Tempo bei Rechenzentren, Chips und Energieversorgung zu halten. 

 

Je teurer die Finanzierung, desto schwerer wird es, dieses Tempo hochzuhalten. Daher kommt eine öffentlich gut begründbare Erzählung, warum eine Verlangsamung ohnehin sinnvoll sei, gelegen.

 

Hinzu kommen eigene wirtschaftliche Interessen

 

Sam Altman hat den für 2026 erwarteten OpenAI-Börsengang mit Verweis auf diese Sicherheitsdebatte auf frühestens 2027 verschoben, während intern bereits Zweifel an den eigenen Investitionszielen von rund 600 Milliarden US-Dollar kursieren.

 

Anthropic dagegen bereitet weiterhin seinen Börsengang für November vor. Ein glaubwürdig vorgetragenes Sicherheitsthema wird hier zum Marketing-Tool für den bevorstehenden IPO: 

Es soll suggerieren, wie weit fortgeschritten und wertvoll die eigene KI-Entwicklung und eigene Technologie angeblich bereits sei.

 

Die Zinserhöhung betrifft übrigens nicht nur die Finanzierungskosten der KI-Labore. Sie hat Auswirkungen auf alle Unternehmensbewertungen

 

Die Bewertung einer Aktie entspricht vereinfacht der Summe ihrer zukünftig erwarteten, auf heute abgezinsten Gewinne. Steigt der Zinssatz, mit dem diese Gewinne abgezinst werden, sinkt automatisch ihr heutiger Wert, auch wenn sich an den erwarteten Gewinnen selbst nichts ändert.

 

Höhere Zinsen setzen die Bewertungen von Unternehmen aller Branchen unter Druck. Firmen, die sich nun aber verschulden, müssen zusätzlich mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Das betrifft sowohl den KI-Sektor als auch die Hyperscaler (Meta, Microsoft, Alphabet etc.).



Was das für Sie und Ihr Portfolio bedeutet


Sollte sich das Tempo der KI-Investitionen tatsächlich spürbar verlangsamen, wird das an der Börse zu deutlichen Kursrücksetzern führen, da ein erheblicher Teil der Gewinndynamik der vergangenen zwei Jahre direkt an diesem Investitionszyklus hängt. 

 

Das klingt zunächst nach einer schlechten Nachricht, ist es aus meiner Sicht aber nicht. 

Rücksetzer gehören zu jedem Bullenmarkt dazu und sie bereiten die nächste Erholungsphase erst vor. Ein Markt kann nicht dauerhaft nur in eine Richtung laufen.

 

Vorsicht ist angebracht, wenn Ihr Portfolio größtenteils auf Technologie- und KI-Werte ausgerichtet ist. Hiermit meine ich Einzelwerte und KI-ETFs. In diesem Fall kann eine teilweise Umschichtung in fundamental starke Werte sinnvoll sein, etwa über einen Dividenden ETF. 

 

Denken Sie daran, dass Sie über breit gestreute Index-ETFs schon ausreichend Tech-Werte im Depot haben.

 

Halten Sie zudem ausreichend Liquidität vor, damit Sie nicht gezwungen sind, in ungünstigen Momenten zu verkaufen.

 

Das Amodei-Essay ist ein klassisches Beispiel dafür, wie der Markt funktioniert: Eigene Interessen der Unternehmen stehen immer im Vordergrund. Im Markt zählen nur Gewinne. Alles andere ist reine Ablenkung.

 

Damit Sie davon profitieren, müssen Sie investiert sein, mit einem Portfolio, das zu Ihnen passt. 

 
 
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