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Ihr Leben hat sich verändert. Hat Ihr Depot mitgezogen?

  • 6. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Ein Leser schrieb mir: er ist 58 Jahre alt, verheiratet, plant mit 67 in Rente zu gehen und möchte gemeinsam mit seiner Frau in der Rente über 5.000 Euro netto im Monat verfügen.

Aus gesetzlicher Rente und Mieteinnahmen kann er etwa 3.300 Euro erwarten. Eine Lücke von 1.700 Euro, die sein Depot schließen soll.


Seine Frage: "Mein Leben hat sich in den letzten Jahren stark verändert, da meine Kinder aus dem Haus sind, beide gute Jobs haben und nun für sich selbst sorgen können. Ich habe nach der Finanzkrise mit Anfang 40 angefangen, an der Börse zu investieren, und zwar fast ausschießlich in Aktien ETFs. Heute sieht die Struktur meines Depot noch fast genauso aus wie vor knapp 20 Jahren. Sollte ich jetzt etwas ändern?"


Diese Frage passt zu einer wichtigen Leitlinie für die Kapitalanlage.


Wann das Leben Ihr Depot verändern sollte


Ein Depot sollte nur dann verändert werden, wenn es wirklich nötig ist. Ständiges Umschichten führt in den meisten Fällen zu schlechteren Ergebnissen und zeigt, dass vor der ersten Investition kein wirklicher Plan existierte.


Entscheidend für den langfristigen Vermögensaufbau ist, sich vor der ersten Investition eine Strategie zu überlegen, die zur eigenen Lebenssituation, zu den Zielen und zum persönlichen Anlegertyp passt.


Eine zentrale Frage lautet dabei immer: Wann brauche ich das Geld?


Erst dann sollte man sein Kapital in einen Sicherheitsteil und einen Renditeteil zerlegen und in konkrete Wertpapiere investieren. Nur so wird man stürmische Zeiten am Aktienmarkt durchhalten und erfolgreich sein.


Es gibt aber Situationen, in den Sie Ihr Depot anpassen sollten: das ist immer dann sinnvoll, wenn sich Ihr Leben verändert hat. Wie zuvor erwähnt, sollte Ihr Depot immer zu Ihnen passen.


Lassen Sie uns nun konkrete Situationen anschauen, in denen eine Anpassung sinnvoll ist. Vielleicht finden Sie sich in einer davon wieder.



Die letzten aktiven Jahre vor der Rente richtig nutzen


Zu meinem 58-jährigen Leser... Er hat noch neun Jahre bis zur Rente, verdient so gut wie nie zuvor und seine Ausgaben für Kinder und Hausbau sind abgeschlossen. Diese Phase, wo ein hohes Einkommen zur „freien“ Verfügung steht, ist ein starker Hebel beim Vermögensaufbau.


Für die nächsten sechs Jahre sollte er zusätzliche Liquidität konsequent in breit gestreute Aktien ETFs investieren, sofern er das Geld nicht für konkrete Ausgaben in dieser Zeit braucht. Das Depot darf in dieser Phase durchaus offensiv aufgestellt bleiben, weil sein Zeithorizont es ihm erlaubt.


Mit 64, also spätestens drei Jahre vor der Rente, wäre für ihn dann der richtige Moment gekommen, den Aktienanteil schrittweise zu reduzieren bzw. einen Teil des Vermögens in ausschüttende ETFs (Bsp: TDIV) umzuschichten. So stellt er sicher, dass er nicht kurz vor der Rente in einen Börsencrash läuft, der ihn zwingt, zu Tiefstkursen zu verkaufen.


Hinweis: die Reduzierung des Aktienanteils ein paar Jahre vor der Rente ist nur dann nötig, wenn während der Rente Kapital aus dem Depot benötigt wird. Ohne Rentenlücke, könnten auch 100% in Aktien ETFs verbleiben.

Es kommt nicht aufs Alter an, sondern darauf, wann man das Geld braucht.



Die Rentenlücke konkret schließen


Weiter im Fall... Mit 67 geht mein Leser in Rente. Er braucht 5.000 Euro netto, bekommt 3.300 Euro aus festen Quellen. Die monatliche Lücke beträgt 1.700 Euro, also 20.400 Euro im Jahr.

Wie schließt er diese Lücke aus dem Depot?


Es gibt im Wesentlichen zwei Wege, die natürlich auch miteinander kombiniert werden können.


Der erste Weg ist die Kapitalentnahme. Geht man von einer realistischen Rendite von 5% pro Jahr aus, dann braucht er ein Depotvermögen von rund 408.000 Euro, um jährlich 20.400 Euro entnehmen zu können, ohne das Kapital anzutasten.

Die Rechnung ist einfach: 408.000 x 5% = 20.400.

Wer sein Kapital nicht vollständig erhalten muss, kann auch mehr entnehmen oder das Depot risikoärmer aufstellen und mit einer niedrigeren Renditeerwartung arbeiten.


Der zweite Weg sind Ausschüttungen. Wer stärker in ausschüttende ETFs investiert, erhält regelmäßig Dividendenerträge, ohne Anteile verkaufen zu müssen. Das schafft einen planbaren Einkommensstrom und ist psychologisch für viele angenehmer, weil das investierte Kapital optisch erhalten bleibt.


Beide Wege funktionieren. Welcher besser passt, hängt von der persönlichen Situation, dem vorhandenen Vermögen und der eigenen Risikotoleranz ab.



Lebensveränderungen treffen jeden, in jedem Alter


Solche Anpassungen sind selbstverständlich nicht nur ein Thema für Menschen kurz vor der Rente. Lebenssituationen ändern sich in jedem Alter und oft unerwartet.


Stellen Sie sich einen Anleger vor, der mit 25 Jahren klug angefangen hat. 100% in breit gestreute Aktien ETFs investiert, langfristiger Horizont, perfekt für den Vermögensaufbau. Mit Mitte 30 heiratete er, kaufte eine Immobilie und nahm ein Darlehen auf. Heute ist er 47 und weiß: In drei Jahren wird eine Restschuld von 80.000 Euro fällig.


Das ist der Moment, in dem er handeln sollte, da dieses Geld in drei Jahren garantiert benötigt wird. Geld mit einem festen Termin in weniger als drei Jahren hat im Aktienmarkt nichts verloren. Ein Kursrückgang von 30 Prozent kurz vor Fälligkeit wäre kein abstraktes Risiko mehr, sondern ein finanzielles Problem.


Die Lösung ist, den entsprechenden Betrag schrittweise aus den Aktien ETFs in sichere Instrumente umzuschichten. Geldmarkt ETFs oder kurzlaufende Anleihe ETFs sind hier die richtigen Werkzeuge. Der Rest des Depots bleibt unverändert langfristig in Aktien investiert. Man ändert also nicht alles, sondern nur den Teil, dessen Aufgabe sich geändert hat.


Ähnliche Anpassungen können auch durch eine Erbschaft, Familienzuwachs oder neue finanzielle Verantwortungen notwendig werden.


Stellen Sie sich immer dieselbe Frage:

Wann brauche ich dieses Geld und ist es dementsprechend angelegt?

 
 
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