Genießen Sie diesen Bullenmarkt: Er ist einer der guten.

Seit rund 17 Jahren befinden wir uns in einem Bullenmarkt. Diesen haben von Anfang an dieselben Einwände begleitet:
Es sei ja nur der S&P 500, der steige. Es seien im Grunde nur die 7 größten Technologiewerte, die „Magnificent 7“, die den Index nach oben zögen. Der Rest der Welt könne nicht mithalten. Der Markt sei zu konzentriert. Und die Bewertungen liefen den Fundamentaldaten längst davon.
In den vergangenen Jahren hat sich das spürbar verändert. Diversifikation funktioniert wieder. Die enormen Investitionen in den KI-Ausbau haben das Gewinnwachstum kräftig angeschoben. Die Magnificent 7 sind ins Stocken geraten, während praktisch alles andere weiterlief.
Das beginnt sich endlich wie ein echter, breit abgestützter Bullenmarkt anzufühlen.
Schauen wir uns die Zahlen einmal an.
Der Bullenmarkt ist global
Wir wissen, dass der S&P 500 in der vergangenen Woche neue Allzeithochs erreicht hat. Aber auch abseits der US-Großkonzerne brechen die Märkte zu neuen Höchstständen auf.
Ein Blick auf die Jahresperformance 2026 zeigt dies deutlich:

Der iShares MSCI Emerging Markets ETF (EEM) als Vertreter der Schwellenländer liegt mit rund 20,4% im Plus, der iShares MSCI EAFE ETF (EFA) für entwickelte Industrieländer außerhalb der USA mit etwa 13,5%,
der iShares Europe ETF (IEV) mit 11,3% und der S&P 500 mit rund 13,2%.
Alle vier Aktienregionen liegen 2026 zweistellig im Plus, angeführt vom EEM (Schwellenländer) mit +20,4%.
In den Vorjahren gab meist eine einzelne Region oder ein einzelnes Marktsegment den Ausschlag.
Auch innerhalb der USA, dem größten Kapitalmarkt weltweit, hat sich das Bild spürbar verbreitert:
Der Russell 2000, der die Wertentwicklung kleinerer US-Unternehmen misst, steht rund 25% im Plus und der S&P 400 mit mittelgroßen Unternehmen legte etwa 15% zu.
Die Marktbreite
Lassen Sie uns einen genaueren Blick in die USA werfen, da sich hiernach die globalen Börsen richten.
Über weite Strecken der vergangenen Jahre wurde der S&P 500 fast ausschließlich von den sogenannten „Magnificent 7“ getragen, also Apple, Microsoft, Amazon, Nvidia, Meta, Alphabet und Tesla.
Diese 7 Werte bestimmten faktisch, wie sich der gesamte Index entwickelte, während die übrigen 493 Unternehmen im Index deutlich hinterherhinkten.
2026 hat sich dieses Verhältnis umgekehrt:

Der S&P 493, also der Index ohne die sieben Schwergewichte, liegt seit Jahresbeginn rund 15,6% im Plus und damit deutlich vor dem Gesamtindex mit etwa 12,5%.
Die Magnificent 7 selbst kommen dagegen nur auf rund 8,2%. Der breite Markt trägt den Bullenmarkt inzwischen genauso, wenn nicht sogar stärker als die bekannten Namen, die ihn jahrelang dominiert haben.
Der eigentlich entscheidende Punkt: Die Bewertungen sinken, sie steigen nicht
Die wichtigste Entwicklung betrifft aber weder die Region noch die Marktbreite, sondern die Bewertungen selbst. Viele Anleger sorgen sich um die (angeblich hohen) Bewertungen in diesem Bullenmarkt.
Tatsächlich verbessern sich die Bewertungen gerade, während der Aktienmarkt gleichzeitig neue Höchststände erreicht.
Die für die kommenden 12 Monate erwarteten Gewinne der S&P-500-Unternehmen wachsen im Konsens der Analysten um rund 35,9% gegenüber dem Vorjahr.
Die Kurszuwächse über denselben Zeitraum liegen mit etwa 21,8% klar darunter.
Da die Gewinne schneller wachsen als die Kurse, sinkt die Bewertung rechnerisch, selbst wenn der Index gleichzeitig neue Höchststände erreicht.
Der Technologiesektor ist seit Anfang 2025 um rund 65% gestiegen. Im selben Zeitraum ist das Forward-KGV des Sektors von etwa 29 auf rund 22 gefallen, weil die Gewinne noch schneller zugelegt haben als die Kurse. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre lag das Forward-KGV bei 23.
Ergänzend dazu sind die erwarteten Gewinne je Aktie für die kommenden zwölf Monate über alle Größenklassen hinweg gestiegen und auch die Gewinnmargen bewegen sich auf mehrjährigen Hochs (S&P 500: rund 15,2%).
Das ist das Gegenteil einer Blase, die typischerweise von steigenden Bewertungen bei stagnierenden Fundamentaldaten lebt.
Was bedeutet das nun?
Fasst man das zusammen, ergibt sich ein Bild, das man selten in dieser Kombination sieht: neue Allzeithochs, fast egal wohin man schaut.
Und gleichzeitig steigende Gewinne, fallende Bewertungen und Margen, die von Rekord zu Rekord klettern. Das ist ein starker Bullenmarkt, der auf ungewöhnlich breiten Schultern ruht.
Gibt es Dinge, über die man sich Sorgen machen muss? Immer.
Wird das mit den steigenden Kursen ewig so weitergehen? Natürlich nicht.
Wird es irgendwann schlecht enden? Wahrscheinlich schon.
Kann irgendjemand vorhersagen, wann das passiert? Nein, das kann niemand.
Genießen Sie also diesen Bullenmarkt, solange er anhält. Er ist vielleicht einer der besten, die wir jemals gesehen haben.


