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Diese Woche: Nvidia, die Fed. Ein Stresstest für den Bullenmarkt.

26. Aug.
4 Min. Lesezeit

In meinem letzten Beitrag habe ich von einem breiten und gesunden Bullenmarkt gesprochen.

 

Daraufhin wollten viele Leser von mir wissen, wie lange es denn meiner Meinung noch „nach oben gehen“ wird.

 

Zuerst einmal, weiß das niemand, auch ich nicht. Und wer Ihnen etwas anderes erzählt, will Ihnen höchstwahrscheinlich etwas verkaufen. 

 

Zweitens, können wir auch in einem Bullenmarkt deutliche Rücksetzer erfahren, während der Trend weiterhin positiv bleibt.

 

Schon diese Woche könnte das so laufen.

 

Heute legt Nvidia seine Quartalszahlen vor. Wenn CEO Jensen Huang die Ergebnisse kommentiert, hört der gesamte KI-Markt gespannt zu. Kein anderes Unternehmen steht so im Zentrum der aktuellen Kursfantasie rund um künstliche Intelligenz.

 

Am Freitag dann spricht Kevin Warsh, Chairman der US-Notenbank Fed, beim Jackson Hole Economic Symposium. Dort treffen sich alljährlich führende Notenbanker, Regierungsvertreter, Ökonomen und Finanzmarktexperten aus aller Welt, um über globale Wirtschaftstrends und langfristige Herausforderungen zu beraten. 

 

Was wird Warsh zur Inflation sagen? Wie positioniert sich die Fed? Die Lage am Anleihemarkt ist angespannt, die US-Staatsverschuldung so hoch wie nie zuvor und steigende Zinsen wären alles andere als hilfreich für einen Aktienmarkt auf Rekordniveau.

 

Zwei Ereignisse, knapp 48 Stunden auseinander. Beide haben das Potenzial, die Stimmung an den Märkten kurzfristig zu drehen oder aber die Märkte weiter nach oben zu treiben.

 

Am Ende dieses Beitrages finden Sie wie gewohnt eine Einordnung, wie Sie sich positionieren sollten. 



Rezessionen werden seltener, Börsencrashs verschwinden trotzdem nicht


Die US-Wirtschaft ist heute größer, reifer und breiter diversifiziert als früher. 

 

Technologie spielt eine größere Rolle, mehr Menschen arbeiten im Dienstleistungssektor, Unternehmen werden effizienter geführt und die Wirtschaftspolitik reagiert heute schneller auf Störungen als noch vor Jahrzehnten. 

 

All das hat dazu beigetragen, dass Rezessionen in den vergangenen 150 Jahren seltener und milder geworden sind.

 

Was daraus aber nicht folgt, ist dass damit auch das Risiko aus den Finanzmärkten verschwunden wäre. Es gibt weiterhin Bärenmärkte, sie fallen im Durchschnitt aber kürzer aus.

 

Seit der Finanzkrise 2008/2009 hatten wir in den USA keine echte Rezession mehr im klassischen Sinn, keinen Kreditzyklus, keine Finanzkrise. 

 

Selbst die Corona-Pandemie wurde mit derart massiven staatlichen Hilfen abgefedert, dass daraus nie ein echtes Finanzproblem wurde. 

 

Trotzdem kam es in genau diesem Zeitraum, mitten in einem der stärksten Bullenmärkte aller Zeiten, wiederholt zu spürbaren Rücksetzern beim S&P 500.

 

Die größten Rückgänge seit der Finanzkrise (S&P 500, Unterschied Hoch zu Tief):

 

  • 2010: rund -16%

  • 2011: rund -19%

  • 2018: rund -20%

  • 2020: rund -34%

  • 2022: rund -25%

  • 2025: rund -19%

 

Auch ohne Rezession, ohne Finanzkrise, mitten in einem intakten Bullenmarkt, kommt es also regelmäßig zu deutlichen Rücksetzern. Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel.


Warum der Markt gelegentlich crashen muss


Der Grund, warum Aktien überhaupt eine Risikoprämie gegenüber Anleihen oder Tagesgeld abwerfen, liegt genau darin, dass sie riskant sind. 

 

Würde man 10% Rendite pro Jahr garantieren, ganz ohne Schwankungen und ohne Crash-Risiko, würde binnen kürzester Zeit jeder sein gesamtes Vermögen in den Aktienmarkt stecken. 

 

Die Überrendite gegenüber sicheren Anlagen würde verschwinden. Crashs sind die gelegentliche Erinnerung daran, dass dieses Risiko real ist.

 

Dazu kommt ein psychologischer Mechanismus, der sich über Marktzyklen hinweg wiederholt. 

 

Läuft es an den Märkten über längere Zeit gut, führt der sogenannte „Recency-Bias“ dazu, dass Anleger unbewusst annehmen, es werde für immer so weitergehen. Man wird nachlässiger und geht mehr Risiko ein.

 

Gier und die Angst, etwas zu verpassen, übernehmen die Kontrolle. Das Pendel schwingt zu weit in eine Richtung. Wenn sich das Blatt dann wendet, trifft es viele Anleger unvorbereitet. 

 

Einen Teil des eigenen Vermögens schwinden zu sehen, kann Panik auslösen. Ein Crash ist dabei keine Strafe für Anleger, sondern eher eine gelegentliche "Gebühr", die Sie dafür zahlen, langfristig höhere Renditen zu erzielen als mit sichereren Anlageklassen.

 

 

Was das für Sie als Anleger bedeutet

 

Erstens:

 

Wie im letzten Newsletter beschrieben, befinden wir uns aktuell in einem starken Bullenmarkt. Rücksetzer werden ganz sicher kommen. 

 

Wann und wie stark diese ausfallen werden, weiß niemand. Als Anleger sollten Sie darauf aber psychologisch vorbereitet sein. Bis dahin gilt: Genießen Sie den Bullenmarkt.

 

Zweitens:

 

Egal was kommt, bleiben Sie investiert. Auf Tiefs folgen immer Hochs. 

 

Die Tiefs „durchzuhalten“, setzt allerdings voraus, dass Sie Ihre Anlagen so strukturiert haben, dass sie zu Ihrer eigenen Lebenssituation und Ihren Zielen passen. 

 

Wenn Sie durch einen Crash gezwungen werden zu verkaufen, weil Sie das Geld kurzfristig benötigen oder wenn Sie Ihre Emotionen in einer solchen Phase nicht managen können, dann sind Sie nicht richtig aufgestellt. 

 

Ein Plan, den Sie schon im Bullenmarkt festgelegt haben und im Ernstfall einfach befolgen, ist dafür unumgänglich.

 

Drittens:

 

Lassen Sie sich durch Nachrichten in den Finanzmedien nicht verrückt machen. Dort wird von Zeit zu Zeit gerne vom finanziellen Weltuntergang berichtet. Das bringt Klicks, Leser und Zuschauer. 

 

Wenn Sie breit aufgestellt sind, nicht in Einzelwerten investiert sind und einen Plan haben, kann Ihnen langfristig nichts passieren.

 

Minuszeichen im Depot zu verkraften, kann trotzdem schwerfallen, das ist menschlich und völlig normal. Der Markt wird sich aber immer wieder erholen. Unternehmen werden immer neue Wege finden, ihre Gewinne zu steigern. 

 

Sie müssen als Anleger daran teilhaben, mit einer Strategie, die zu Ihnen passt.

 

Falls Sie Anmerkungen oder Fragen haben, schreiben Sie mir einfach. Ich lese jede E-Mail persönlich.

 
 
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